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Trash-Lektüre: Süchtig nach Zombies.

CoverMax Brooks hat geschafft, was Dan Brown vergeblich versucht hat. Er hat mich mit kompletten Schrott absolut überzeugt. Ich habe innerhalb weniger Tage seine Chroniken über den Zombie-Weltkrieg, World War Z, verschlungen. Ich habe, nachdem das Buch ausgelesen war, zwei Zombie-Filme hintereinander geschaut. Und wie ich diese Zeilen schreibe höre ich Musik von den Zombies (Wobei ich mir nicht ganz erklären kann, wie 60er Jahre Pop und Untote zueinander kommen. Aber das ist ein anderes Thema).

Ich bin also komplett zombiefiziert. Ein wenig wie das eben so ist mit den Zombies: Wenn man einmal angesteckt wurde, ist man drin gefangen und findet Stöhnen, Schlurfen und Gehirn-Schlürfen super.

Doch wie ich an vorheriger Stelle ja schon erwähnt habe, ist ein wenig Trash zwischendurch durchaus auch für Büchernarren ganz wohltuend. World War Z hält zudem das Frustrationspotential gering, denn es ist halbwegs vernünftig geschrieben und hat einen innovativen Plot, der ausnahmsweise einmal nicht nach dem Schema F „Held rettet die Welt und segelt zum Schluss mit heißer Schnitte in den Sonnenuntergang“ funktioniert. Stattdessen hat Brooks eine Art Chronik verfasst. Den Rahmen setzt ein Vertreter der amerikanischen Post-Zombie-War-Behörde, indem er die gesammelten Berichte von verschiedensten Augenzeugen aus der ganzen Welt wiedergibt. Darunter sind Helden wie Bösewichte, man erfährt tragische wie hoffnungsfrohe Geschichten. Alles in allem entsteht durch die Aussagen ein Kaleidoskop und eine – für einen amerikanischen Autor dieses Genres – ungewohnte interkulturelle und soziale Vielfalt. Manche eine Episode gelang Brooks dabei sicher nicht ganz rund, manch andere ist dafür umso exzellenter.

Zehn Jahre dauerte der Krieg gegen die Zombies. Viele Millionen Menschen starben dabei, interessanterweise jedoch nicht nur durch die Seuche, sondern auch wegen menschlicher Schwächen: Politische Rangeleien, Bürgerkriege, und Egoismus sorgen dafür, dass der Frieden viel länger auf sich warten lässt, als es nötig gewesen wäre. Das ist nicht schlecht gemacht von Max Brooks, und vielleicht ist es eben genau dieser Realismus und diese Vielschichtigkeit, die das Buch so packend machen. Wer also schon immer mal wissen wollte, wie China, Russland, Israel oder die USA; wie Kuba, Südafrika oder Island; wie Reiche und Arme, Militärs oder Privatpersonen mit der Apokalypse umgehen, der findet in World War Z ein glaubhaftes Szenario.

Der Film zum Buch kommt in den nächsten Wochen in die Kinos. Ich kann mir leider nicht vorstellen, wie die Adaption funktionieren soll. Ich befürchte ernsthaft, dass Hollywood alles, was nicht actionlastig genug war, entsorgt und damit einmal mehr eine Geschichte seiner Seele beraubt hat. Aber wir werden sehen – zombiefiziert wie ich aktuell bin, werde ich mir World War Z auf der Leinwand sicher anschauen.

Doch um mein Gehirn von den Zombies nicht ganz wegfressen zu lassen, habe ich heute gleich ein neues Buch angefangen. Eines mit Anspruch, englischer Aristokratie und mit einer guten Aussicht. To be continued.

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4 Kommentare zu “Trash-Lektüre: Süchtig nach Zombies.

  1. Wie definiert der Rezensent denn Trash? Und was macht Mel Brooks‘ vorzüglich geschriebenes Buch zu Schrott, wenn auch überzeugendem Schrott? Das Zombiegenre ist in Literatur und Film ohne jeden Zweifel mit Trash durchsetzt – sogar mit viel Trash. Es aber per se als Trash zu kennzeichnen, trifft’s wohl kaum.

    Der Film ist übrigens gar nicht so schlecht, auch wenn er auf Splattereffekte vollständig verzichtet (für mich ein Muss im Zombiefilm) und mit der Struktur der Buchvorlage nichts mehr gemein hat. Ich hab‘ ihn in meinem Blog rezensiert.

    • Die Frage nach meiner Defintion von Trash ist berechtigt, denn so wie ich das Wort hier gebrauche, ist es wohl etwas missverständlich. Trash und Schrott benutze ich synonym, vielleicht weil Müll im Deutschen viel zu negativ klingt. Ich will nun gar nicht ganz so weit mit der medientheoretischen Keule ausholen, aber für mich bewegt sich Trash irgendwo zwischen Camp und Kulturindustrie. Auf alle Fälle unterscheidet sich Trash von, nennen wir es mal so, auch wenn der Begriff mindestens genauso problematisch ist, Weltliteratur, dass ich durch die Lektüre keine Erkenntnis für mein Leben fassen kann – abgesehen von meinem hinzugewonnen Wissen, mit welch mannigfaltigen Waffen ich nun theoretisch Zombies erledigen kann, habe ich durch Worls War Z nun nicht viel Neues hinzugelernt. Trash ist einfach Spaß und in eben dieser Hinsicht auch anspruchslos. Man quält sich nicht beim Lesen. Trash ist aber alles andere als niveaulos – so eben auch dieses Buch. Es ist vorzüglich geschrieben, keine Frage. Ich lege es seit geraumer Zeit jedem ans Herz, der mir begegnet, so großartig fand ich es. In diesem Sinne liebe ich Trash – ganz im Gegensatz zu platten, dummen Büchern, die phantasielos irgendwelche Genre-Klischees bedienen. Das muss ein Schritsteller weder bei Zombiromanen, Horror, Krimis oder Fantasy machen, wenn er nur halbwegs seinen Kopf anstrengt. Max Brooks hat eben das getan und sehr intelligent eine Welt entworfen, deswegen ist das Buch so gut.

      Was den Film anbelangt… Na, dann schau ich doch gleich mal nach der Rezension – ich bin schon sehr gespannt!

  2. Deine Einleitung finde ich super! Wer kennt diesen manchmal plötzlich auftretenden Wahn nicht. Einmal Schach gespielt und am nächsten Tag bereits Schachbrett und Schachuhr bestellt. Am übernächsten Tag Anträge für eine Schachclubmitgliedschaft auf dem Tisch. Begeisterungsfähigkeit ist Wahnsinn – wahnsinnig wichtig. Trash hin oder her 🙂

    • Danke 🙂 Ja, wenn das mit der Begeisterungsfähigkeit nicht so Überhand nehmen würde… Gibt einfach zu viel Spannendes in der Welt. Zombies. Bücher. Laufen. Bücher. Essen. Bücher. Reisen. Bücher. Dem kann man gar nicht allem gleichzeitig genügend Aufmerksamkeit zukommen lassen.

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