Bücher

Zum Laufen geboren

LaufschuheVor einer Woche bin ich meinen ersten Marathon gelaufen. Ohne einige Hilfsmittel hätte ich das wohl nicht geschafft. Die eine Art Unterstützung waren Freunde, die sich strategisch an der Strecke postiert hatten, um mich ins Ziel hinein anzufeuern. Die andere Sorte waren natürlich die richtigen Schuhe und Verpflegungsmittel. Nicht zuletzt jedoch haben mir auch einige Bücher beim Zurücklegen der 42,195 km geholfen, weil sie mir viel Lust und Inspiration für das Laufen vermittelt haben.

Über eine dieser Läufer-Bibeln habe ich bereits in einem früheren Eintrag geschrieben: Wovon ich rede, wenn ich vom Laufen rede von Haruki Murakami war quasi meine Einstiegsdroge in den Langstreckenlauf. Dieses Jahr habe ich nun zum einen ein Sachbuch für das Marathontraining durchgearbeitet (Hubert Becks Das große Buch vom Marathon um genau zu sein), was sehr aufschlussreich ist und einem immer sofort die Füße jucken lässt, weil man all die guten Übungen und hilfreichen Tipps fürs Laufen unmittelbar ausprobieren möchte. Zum anderen habe ich Christopher McDougalls Born to Run gelesen, um das es heute gehen soll, und das sicher auch für Menschen, die nicht so laufverrückt sind wie ich, sehr spannend sein kann.

Alles fängt in Mexiko an. Christopher McDougall begibt sich dort auf die Suche nach den Tarahumara, einem Volk von Indianern, das nicht nur lange sondern auch unglaublich schnell laufen kann. McDougall hofft durch sie das Geheimnis des Laufens lösen zu können: Warum gibt es Menschen, die scheinbar mühelos endlos lange Strecken bewältigen können, während andere nach 5 km schon in schwere Atemnot kommen? Warum gibt es Läufer, die sich nie verletzen, während andere ständig Probleme mit den Knien, der Achillessehne oder der Ferse bekommen? Wie schaffen es überhaupt Menschen, Ultralangstrecken, das heißt Läufe von 100 km und mehr, zu bewältigen und das in einem Tempo, in dem die meisten Menschen noch nicht einmal 10 km schaffen?

Zwischendurch liefert er einen Abriss über die Geschichte des modernen Marathons, er schildert wahre Krimis von Ultrawettkämpfen und macht auch vor einem ausgedehnten anthropologischen Exkurs nicht halt. Zu guter Letzt gibt er noch den Bericht eines überaus verrückten Rennens durch die mexikanische Wildnis zum Besten. Alleine dieser Teil ist ein Highlight für sich. All diese Teile dienen dem Beweis seiner These, dass wir Menschen geboren sind um zu laufen. Liest man sein packendes Buch, denkt man anschließend nicht nur anders über sein tägliches Bewegungspensum, sondern gewinnt auch tatsächlich die leichtsinnige Überzeugung, dass so ein Ultramarathon ja schon einmal eine ganz interessante sportliche Herausforderung sein kann, an die man sich durchaus heranwagen kann.

(Dazu muss ich nach meiner Marathonerfahrung allerdings leider ernüchtert sagen, dass schon 42 km beileibe kein Spaziergang sind. Ich denke also nicht mehr, dass sich 100 km Lauf durch Bergland so locker-flockig anfühlen, wie McDougall es beschreibt. Aber das spielt eigentlich keine Rolle, denn das Buch macht Lust auf Laufen, und selbst wenn dieses dann in der Umsetzung auch mal hart ist, mit den Anekdoten aus Born to Run im Hinterkopf läuft es sich definitiv leichter.)

Born to Run ist ein in der Tradition der amerikanischen Populärwissenschaft geschriebenes Sachbuch. Es will unterhalten und bedient sich zu diesem Zweck auch gerne der Polemik. Deswegen werden selbst Sportmuffel ihre Freude an der Lektüre haben. Sicher sollte man nicht alle angeblich wissenschaftlich fundierten Beweise McDougalls unreflektiert glauben. Aber in vielen Punkten schafft es dieses Buch, unseren heutigen Lebensstil, der sich zwischen Couch, Bürostuhl und Auto abspielt, zu hinterfragen. Dann bleibt nur noch der Sprung hinein in die Laufschuhe und hinaus auf die Strecke.

Übrigens: Wer keine Lust hat, sich wegen des essentiellen Clous des Buches durch 300 Seiten zu wühlen, sollte sich ganz bequem Christopher McDougalls TED Talk anschauen. Darin bringt er seine Argumente in einer Viertelstunde auf den Punkt:

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